Biofermenter & Co

 
 

WEITERE FUTURISTISCHE ANSÄTZE

Neben kultiviertem Fleisch gibt es noch weitere, äußerst spannende Ansätze, wie die Ernährung der Zukunft global aussehen könnte.

BIOFERMENTER-Technologie

Die Vormägen der Wiederkäuer zeigen, dass es möglich ist, aus Zellulose, also z.B. Stroh, Heu, Gras oder Laub, Wirkstoffe und Nährstoffe, vor allem essentielle Proteine zu bilden. Das bewerkstelligen Mikroorganismen im Vormagen der Wiederkäuer seit 20 Mio. Jahren, die dann von den Wiederkäuern mitverdaut werden. So decken Rinder bis zu 80 % ihres Proteinbedarfs aus den Mikroben in ihrem Pansen. Wie effizient das System Wiederkäuer ist zeigt die Tatsache, dass 70% der Weidetiere in der Serengeti von Wiederkäuer gestellt werden. In der Natur gibt es dafür auch noch weitere höchsterfolgreiche Vorbilder.

Die Biofermenter-Technologie, im Moment  zwar noch eine Vision, schaut sich diesen Vorgang von der Natur ab. Im Gegensatz zur Verfütterung von Gras und Heu an Rinder wäre die Biofermenter-Technologie um ein Vielfaches effizienter, weil die Stoffwechselverluste im Rind, sprich die Verdauung im Rind, wegfallen würden. Die Nahrungskette wäre um ein Element kürzer.

Das Konzept ähnelt dem des "Single Cell Protein", das Ziel ist aber, direkt aus Zellulose Nahrung für den Menschen zu erzeugen. Im Moment gibt es hierzu noch kaum Forschung, das Konzept ist also sehr visionär! Auch ist unklar, welche technischen Probleme auftreten könnten. Die Endprodukte würden reine Nährstoffe sein, die im Lebensmittelbereich als Zusätze Einsatz finden könnten. Sie werden Fleisch, Milch oder Eiern zwar nicht ähneln, und fallen damit auf der Future Food Webseite auch aus diesem Grund aus dem Rahmen. Die Biofermenter-Idee könnte aber die Welternährung revolutionieren.

Die Herstellung könnte so aussehen: In riesigen wassergefüllten Silos bzw. Tanks werden  Ökosysteme bestehend aus  Mikroorganismen  (Bakterien, Einzeller und Pilze), wie im Vormagen eines Wiederkäuers z. B. anfangs mit Wärme und mit zur Mikrobenkultur geeigneten Gasgemischen sowie Mineralien und Spurenelementen versorgt. Unter elektronischer Überwachung wird die Lösung in Bewegung gehalten. Dann wird der Nährboden für die Mikroorganismen zugesetzt. Angedacht werden gefriergetrocknete Pellets aus Zellulose, die weltweit massenweise extrem günstig z.B. in artenreichen Wiesen nachwächst. Die Ausscheidungen der Mikroorganismen könnten als Dünger verwendet werden, entstehendes Methan für Heizanlagen. Biofermenter gekoppelt mit Phytoreaktoren, in denen Algeneinzeller wachsen, könnten in wechselwirkenden Systemen eine "Null-Emission-Nährstoff-Industrie" ermöglichen, da sie Ökosystemen nachempfunden wären - im Bausatzsystem. Diese Systeme wären von Witterungsschwankungen im Zuge der Klimaerwärmung unabhängig. Die Mikroorganismen werden am Ende geerntet, die Nährstoffe in Abscheidungsverfahren aus ihnen gelöst und weiterverarbeitet. Wie so ein Ablauf aussehen könnte, zeigt das nachfolgende Video (copyright AKT):






Erklärung der Videoanimation: Schematisch gekoppeltes System aus Biofermeter (links mit blauen Mikroben) und Phytoreaktor (rechts mit grünen Mikroalgen). "Endprodukte" sind die Ausscheidungen der jeweiligen Mikroben. CH4 ist Methan, das bei der Verstoffwechselung der Zellulose in den Biofermentern anfällt. Das CO2 (Kohlendioxid), das die Mikroben in den Fermentern erzeugen, dient in den Phytoreaktoren für Algen zur Photosynthese, und wird dort in Nährstoffe und Sauerstoff (O2) umgewandelt, der wieder in die Fermenter zurückgeleitet wird, und den Bakterien zur Atmung dient. Der Begriff "Nährstoffe" umfasst Proteine, Kohlehydrate (Stärke und Zucker), Fette und Öle, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, je nach Kombination von Mikrobenarten und Herkunft der zellulosehaltigen Ausgangsmaterialien


Weiterführende Informationen von AKT, Peter Arras (Titel der Technologie dort CPF – Cellulose-Protein-Fermentation). sowie in AKT, Welternährung.

AlgaVia/TerraVia macht Experimente, die diesem Konzept schon sehr nahe kommen, aus Zuckern aus Lignozellulose werden Algen-Öle und Algen-Proteine hergestellt. Diese Zucker wiederum stammen beispielsweise aus Kompost, Zuckerrohr-Bagasse oder Lignozellulose.
Bei Biomar wurden ebenfalls proof of concept-Versuche gemacht, Fungi auf verschiedenen Ernteabfällen (Reisspelzen, Mahlrückstände, Biertreber, etc.) wachsen zu lassen, aber darüber wurde noch nichts publiziert.

"ECHTE" MILCH AUS DEM LABOR

Seit ca. 2013 wird auch versucht, "echte" Milch(produkte) im Labor zu produzieren - ohne Kühe bzw. generell ohne Tiere. Die Firmen Real Vegan Cheese und Muufri sind hier die Vorreiter. Mehr Details zur Technologie findet man auf den Webseiten dieser Firmen.